Vielleicht ist Dein Alltag auf den ersten Blick derselbe geblieben. Trotzdem fühlst Du Dich anders: schneller erschöpft, weniger geduldig oder unsicher in einem Körper, der sich verändert. Daraus kann die Frage entstehen, ob Du noch derselbe Mensch bist wie früher.
In der zehnten Folge von Hormonzeit, veröffentlicht am 15. Oktober 2026, sprechen Dr. Robinson Ferrara und Margit über Selbstwahrnehmung, Identität und Wechseljahre. Dieser Beitrag greift ihre Verbindung von medizinischer Einordnung und Fragen aus dem Coaching auf.
Wenn sich das vertraute Bild von Dir verändert
Das Selbstbild besteht nicht nur aus dem Blick in den Spiegel. Es umfasst auch Vorstellungen davon, wie belastbar, attraktiv, gelassen oder verlässlich Du sein möchtest. Manche dieser Vorstellungen begleiten Dich schon viele Jahre.
Wenn sich Schlaf, Energie oder körperliches Wohlbefinden verändern, passen die bisherigen Erwartungen womöglich nicht mehr zum aktuellen Erleben. Aus einer konkreten Beobachtung wird dann schnell ein hartes Urteil über die ganze Person.
Eine solche Bewertung ist verständlich. Sie ist aber nicht die einzige mögliche Sicht auf die Situation. Du darfst nach Unterstützung suchen, ohne Dich gleichzeitig als weniger wertvoll zu betrachten.
Welche Rolle können Hormone spielen?
Während Perimenopause und Menopause können unter anderem Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Veränderungen der Sexualität auftreten. Der NHS beschreibt diese Beschwerden als mögliche Begleiter dieser Lebensphase. Sie können Beziehungen, Arbeit und das eigene Befinden berühren.
Hormone definieren trotzdem nicht Deine Persönlichkeit. Ebenso wenig lässt sich jeder Konflikt, jede Unsicherheit oder jede neue Entscheidung allein hormonell erklären. Belastungen, Lebensereignisse und persönliche Bedürfnisse gehören ebenfalls zum Gesamtbild.
Wenn Du mehr über die körperlichen Zusammenhänge lesen möchtest, findest Du eine Grundlage im Beitrag zu Symptomen der Wechseljahre (öffnet in neuem Tab).
Akzeptanz bedeutet nicht, Beschwerden auszuhalten
Ein wichtiger Gedanke aus der Folge: Eine neue Lebensphase anzunehmen und belastende Beschwerden behandeln zu lassen, widerspricht sich nicht. Du musst weder so tun, als sei alles problemlos, noch jeden Wandel rückgängig machen wollen.
Wenn Du nachts kaum schläfst, helfen zusätzliche Ansprüche an Deine Geduld womöglich wenig. Wenn Du Dich dauerhaft niedergeschlagen fühlst, genügt es nicht, die Situation positiv umzudeuten. Es lohnt sich, die konkrete Belastung ernst zu nehmen.
Auch Veränderungen von Körperbild, Haaren oder Sexualität dürfen Dich beschäftigen. Wie wichtig ein Thema für Dich ist, muss nicht von außen bewertet werden.
Drei Fragen, die Beobachtung und Bewertung trennen
Margits und Robinsons Gespräch bietet einen Ansatz, um das diffuse Gefühl von Veränderung zu sortieren. Nimm Dir für die folgenden Fragen etwas Zeit, ohne nach einer perfekten Antwort zu suchen.
Was beobachte ich konkret?
Beschreibe möglichst genau, was anders geworden ist. Vielleicht brauchst Du nach der Arbeit mehr Ruhe, wachst nachts auf oder möchtest bestimmte Verpflichtungen reduzieren. Eine konkrete Beschreibung ist leichter besprechbar als ein pauschales Urteil über Dich selbst.
Wie bewerte ich diese Veränderung?
Welche Vorstellung steckt hinter Deiner Reaktion? Erwartest Du von Dir, immer verfügbar zu sein? Vergleichst Du Dich mit einer früheren Lebensphase oder mit anderen Menschen? Beobachtung und Bewertung aufzuschreiben kann helfen, diese Ebenen auseinanderzuhalten.
Was brauche ich heute?
Vielleicht mehr Erholung, ein ärztliches Gespräch, Unterstützung zu Hause oder Zeit für eine eigene Entscheidung. Die Antwort muss nicht groß sein. Sie sollte zu Deiner jetzigen Situation passen.
Neue Grenzen verständlich aussprechen
Wenn Du Aufgaben anders verteilen oder häufiger Nein sagen möchtest, kann das auch Dein Umfeld verunsichern. Beschreibe möglichst konkret, was Du brauchst und was Du weiterhin übernehmen möchtest.
Ein Gespräch über eine bestimmte Aufgabe ist oft leichter als eine Diskussion darüber, wer sich grundsätzlich verändert hat. Gleichzeitig musst Du Deine Bedürfnisse nicht erst durch völlige Erschöpfung rechtfertigen. Veränderung darf gemeinsam ausgehandelt werden.
Medizin, Psychotherapie und Coaching haben unterschiedliche Aufgaben
Medizinische Abklärung kann helfen, körperliche Beschwerden und mögliche Erkrankungen einzuordnen. Psychotherapie kann bei psychischen Erkrankungen oder entsprechenden Belastungen notwendig sein. Coaching kann bei Orientierung, Rollen und persönlichen Zielen unterstützen.
Diese Angebote sind nicht austauschbar. Anhaltende deutliche Niedergeschlagenheit, starke Angst oder eine erhebliche Einschränkung im Alltag sollten fachlich abgeklärt werden. Coaching ersetzt keine notwendige Behandlung.
Bei Schlaf- oder Konzentrationsproblemen können auch die Beiträge über Schlafstörungen (öffnet in neuem Tab) und Brain Fog (öffnet in neuem Tab) eine Gesprächsgrundlage bieten.
Häufige Fragen zum Selbstbild in den Wechseljahren
Verändern Hormone meine Persönlichkeit?
Hormonelle Veränderungen können das Befinden beeinflussen. Sie legen aber nicht fest, wer Du als Mensch bist. Das Gefühl von Veränderung verdient eine differenzierte Betrachtung.
Muss ich wieder so werden wie früher?
Du darfst eigene Ziele für Deine aktuelle Lebensphase entwickeln. Belastende Beschwerden dürfen trotzdem untersucht und behandelt werden.
Sind neue Grenzen egoistisch?
Ein verändertes Bedürfnis nach Ruhe oder Unterstützung ist zunächst eine Information. Wie Du damit umgehst, kannst Du konkret und respektvoll mit anderen besprechen.
Reicht Coaching, wenn es mir psychisch schlecht geht?
Nicht immer. Bei anhaltenden oder stark belastenden Beschwerden ist eine medizinische oder psychotherapeutische Abklärung wichtig. Coaching kann notwendige Behandlung nicht ersetzen.
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Folge 10: Bin ich noch ich, wenn Hormone selbst mich verändern? · 22:43 Minuten
Folge anhören ↗Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.